Papierlose Woche

Ein spannendes Projekt der Grundschule Rehme-Oberbecksen

Mit einer 2., 3. und 4. Klasse führten drei Lehrerinnen in der Grundschule Rehme-Oberbecksen ein jahrgangsübergreifendes Projekt zum Thema Papier durch. Beteiligt waren Lehrerinnen und Lehrer, die im Vorfeld im Rahmen von Konferenzen gemeinsam am Handlungsfeld „Papier“ gearbeitet hatten. Auf einem Initialworkshop „Papier und Nachhaltigkeit im Unterricht“ im Rahmen des BLK-Modellversuchs „Agenda 21 in der Schule“ entstand dann die Idee, mit Kindern eine „Papierlose Woche“ durchzuführen.

Ziel des Projekts war, für Kinder erfahrbar zu machen, welchen wichtigen Stellenwert  Papier in unserem Leben einnimmt und wie viel Papier durch einen bewussten Umgang eingespart werden kann. Durch die Woche ohne Papier erschien den Kindern das so selbstverständliche Alltagsprodukt in einem völlig anderen Licht. Sie lernten Papier wieder völlig neu wertzuschätzen.

Das Projekt ist zwar bereits vor einigen Jahren durchgeführt worden, aber es bleibt nach wie vor ein interessantes Projekte zum Thema Papier sparen an Schulen. Ausführlich beschrieben wird es in den BLK-Werkstattmaterialien  „Zukunftsfähig mit Papier – Globales Lernen am Thema nachwachsende Rohstoffe“ (S.17-21).

 

Ablauf der „Papierlosen Woche“:

Papier ist nicht mehr wegzudenken

Die Kinder aller Klassen wurden mit einer Erzählung aus dem Buch „Papier wächst doch nicht auf Bäumen“ auf das Projekt eingestimmt. In dieser Geschichte wünscht sich ein Kind, dass alles Papier verschwinden soll, da es keine Mathearbeit schreiben möchte. Eine Fee erfüllt diesen Wunsch. Doch als wirklich alles, was aus Papier ist verschwindet, merkt das Kind, was es da angerichtet hat. Es spürt, dass es das kleinere Übel ist, eine Arbeit zu schreiben, als ganz auf Papier zu verzichten.

Später arbeiteten die SchülerInnen in Gruppen. Zunächst sollte ihnen  bewusst werden, wie viel Papier wir gebrauchen und was alles aus Papier hergestellt wird. Sie erstellten dazu eine Collage. Die Kinder überlegten, was alles aus Papier ist, teilten auf, wer welche verschiedenen Papiere mitbringt, klebten die unterschiedlichen Sorten auf und beschrifteten sie. Als Hausaufgabe fertigten die Kinder ein Papierprotokoll an. Sie notierten einen Tag lang, wann sie welche Sorte Papier benutzen. So wurde der Blick der Kinder für das Papier in unserem Alltag geschärft.

In einem zweiten Schritt sollte den Kindern bewusst werden, dass die verschiedenen Papiersorten unterschiedliche Eigenschaften haben, die sie für einen bestimmten Verwendungszweck brauchbar machen. Die Gruppen testeten deshalb jeweils drei Papiersorten auf ihre Eigenschaften. Sie hielten die Ergebnisse in einem Untersuchungsbogen fest und stellten sie den anderen Gruppen vor. In einer Hausaufgabe ordneten die Kinder Papiersorten nach ihrem Verwendungszweck (Verpackung, Bastelmaterial, Schreibmaterial, Sauberkeit). Den Kindern war nun deutlich geworden, dass sie tagtäglich mit Papier umgehen und Papier für viele Verwendungszwecke geeignet ist.

 

Geschichte des Papiers

Im zweiten Teil des Projekts erfuhren die Kinder, wie Papier entstanden ist.

Die Kinder erwarben Kenntnisse zu folgenden Themen:

  • Worauf schrieben die Menschen vor der Erfindung des Papiers?
  • Tierfelle als Papier – Die Erfindung des Pergaments
  • Wieso heißt Papier „Papier“?
  • So stellten die Ägypter Papier her
  • Erfindung des Papiers
  • Das Papier geht um die Welt – Von China nach Japan, Arabien und Europa
  • In einer europäischen Papiermühle um 1600

Um die Arbeit in einer Papiermühle zu veranschaulichen wurde wie in einer Büttstube gearbeitet. Aus alten Zeitungen schöpften die Kinder Papier. Als Kontrast dazu erfuhren die Kinder aber auch, wie heute in einer Fabrik aus Holz Papier gemacht wird. Sie erstellten dazu ein kleines Buch nach der Vorlage des Autors Ali Migutsch. Dabei erkannten die Kinder, wie viele Bäume gebraucht werden, um die Mengen Papier herzustellen, die wir Menschen verbrauchen.

 

Herausforderung: Die papierlose Woche

Da in der „papierlosen Woche“ natürlich nicht auf Papier geschrieben werden durfte, wurde nach einer Alternative gesucht. Jedes Kind erstellte deshalb seine eigene Schultafel. Spanplatten wurden zunächst mit Grundierung und anschließend mit Tafellack bestrichen. Die Kinder erhielten dann Schwämmchen und Lappen. Einen Griffel besorgten sie sich selbst.

Gemeinsam wurde besprochen, worauf jeder in der Woche achten sollte. Es wurde vereinbart, dass sich in der Schultasche nur die Tafel mit dem Zubehör sowie das Frühstück befinden sollte. Papiertaschentücher wurden durch Stofftaschentücher ersetzt. Bei der Verpackung des Butterbrotes achteten die Kinder ebenfalls darauf, auf Papier zu verzichten. Die Eltern erhielten dazu einen Informationsbrief.

Den Kindern war es wichtig, während der Schulzeit dann auch auf alles aus Papier zu verzichten, auch nicht Karten zu spielen und kein Buch mehr aus dem Regal nehmen. Sie schlugen sogar vor, für diese Woche alle Dinge aus Papier aus der Klasse zu entfernen. Wegen des hohen Aufwandes wurde jedoch entschieden, die Dinge zwar im Klassenraum zu belassen, aber nicht zu benutzen.

In der papierlosen Woche lernten die Kinder verschiedene Baumgedichte, Baumlieder und Baumgeschichten kennen. Der Wert jedes einzelnen Baumes für die Menschen wurde deutlich. Dass Bäume viele Funktionen erfüllen, wichtig und unersetzbar sind.

Den Abschluss der Woche bildete am letzten Tag der offizielle „Tag des Baumes“. Gemeinsam mit allen Kindern ging es in den Wald. Dort wurden in den Gruppen verschiedene Spiele durchgeführt, die die Wahrnehmung der Natur, speziell der Bäume, schulen sollten. In der letzten Stunde wurde gemeinsam mit allen Kindern der Schule eine kleine Feier abgehalten. Die Baumgedichte wurden vorgetragen, Baumlieder vorgesungen und ein neuer Apfelbaum auf dem Schulgelände gepflanzt.

 

Zusammenfassung und Ausblick

Nach drei Wochen intensiver Arbeit waren sich die Lehrkräfte einig: Der Arbeitsaufwand hatte sich gelohnt. Das Thema machte in besonderem Maße ein Lernen mit Kopf, Herz und Hand möglich. Deshalb waren auch die Kinder während der ganzen Zeit mit Feuereifer dabei. Und: Sie hatten Papier durch die papierlose Woche wieder schätzen gelernt. Die Kinder genossen es zwar, ohne Papier zu arbeiten, waren sich aber einig, dass sie dauerhaft nicht darauf verzichten wollen und können. Auch für die LehrerInnen war das Arbeiten während der papierlosen Woche eine Herausforderung, da sie selbst ebenfalls nicht auf Papier zurückgreifen konnten, um sich zum Beispiel wichtige Dinge zu notieren. Durch den (freiwilligen) Verzicht wurde auch ohne erhobenen Zeigefinger deutlich, dass es Bereiche gibt, in denen man auf Papier verzichten oder aber sparsamer damit umgehen kann. SchülerInnen und LehrerInnen waren sich sicher, Bäume jetzt wieder mit ganz anderen Augen zu sehen.


BLK Zukunftsfähig mit Papier
Die Broschüre kann auch bei ARA bestellt werden.


Diese Seite wurde gefördert durch das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein Westfalen.