Folgen der Papier- und Zellstoffproduktion

In kaum einem Rohstoffsektor ist die Nachfrage in den letzten Jahrzehnten so gravierend gestiegen wie im Papierbereich. Dabei ist den wenigsten VerbraucherInnen bewusst, wie durch unseren Papierbedarf weltweit Wälder geschädigt und zunehmend komplett vernichtet werden. Die Papier- und Zellstoffproduktion ist bereits heute für knapp die Hälfte der weltweiten Holzernte für industrielle Zwecke verantwortlich – Tendenz steigend.

Die ökologischen und auch die sozialen Konsequenzen der Zellstoffgewinnung sind massiv: Verlust an Fauna und Flora, ja kompletter Waldökosysteme durch Holzeinschlag oder Waldumwandlung in extrem artenarme Zellstoff-Monokulturen, Auslaugung von Böden und Beschleunigung der Erosion, massive Klimaveränderungen. Die Aufarbeitung des Papierrohstoffes Holz zu Zellstoff ist vielerorts gekennzeichnet durch enormen Wasserverbrauch, Kontaminierung von Trinkwasser durch Chemiegifte, erhebliche gesundheitliche Konsequenzen für Anrainer von Zellstoffwerken, Verlust von Arbeitsplätzen und fehlende Erwerbsalternativen für bislang traditionell wirtschaftende lokale Gemeinschaften. Landrechtskonflikte und Zwangsumsiedlungen sind weitere Folgen. All dies geschieht nicht bei uns, sondern dort, wo die Zellstoffindustrie mangels gesetzlicher Regulierung ungezügelt agieren und damit besonders kostengünstig produzieren kann – beispielsweise in Lateinamerika, Südostasien oder Südafrika.

Fast drei Viertel des weltweiten Papierverbrauchs entfallen auf den Papierhunger der Industriestaaten. Deutschland ist weltweit das viertgrößte Verbrauchsland für Papier, nutzt mehr Papier als Afrika und Südamerika zusammen. Und als mit Abstand größter Papierproduzent Europas liegt die Bundesrepublik auf Platz fünf der Papier erzeugenden Länder – und trägt damit eine erhebliche Mitverantwortung für die weltweiten ökologischen und sozialen Konsequenzen der sich immer stärker ausbreitenden Zellstoffindustrie. Denn 57 Prozent des verbrauchten Papiers und über 80 Prozent des Zellstoffs für die deutsche Papierindustrie stammen aus dem Ausland, ein zunehmender Anteil aus Plantagen in Entwicklungs- und Schwellenländern.


Weitere Informationen zum Thema Papier und Umwelt finden sich im Alternativen Waldschadensbericht und update.

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