Doppelte Standards: Papierindustrie in Deutschland

Durch Ihre Produktwahl können Sie Einfluss darauf nehmen, ob der Zellstoff, den die Papierindustrie für das in Deutschland hergestellte Papier verwendet,  aus ökologisch und sozial nachhaltigen Quellen oder aus Urwaldzerstörung verbunden mit Landrechtsverletzungen stammt. Als mit Abstand größter Papierproduzent in Europa und weltweit auf Platz vier hinter den USA, China und Japan spielt die deutsche Papierindustrie eine bedeutende Rolle auf dem globalen Markt.

Mehr als 100 Unternehmen produzieren in Deutschland Papier, Karton und Pappe. Die meisten großen Papier- sowie Zellstofffabriken in Deutschland wurden in den vergangenen Jahren von ausländischen Konzernen aufgekauft, die sich dadurch in Deutschland einen Standort gesichert haben. Diese Konzerne haben oft noch Produktionsstätten in anderen Ländern, die den in Deutschland geltenden Umweltstandards nicht entsprechen. Der gleiche Konzern, der sich in Deutschland um ein „grünes“ Image bemüht, Altpapier einsetzt und den Energie- und Wasserverbrauch reduziert, verseucht mit seinen Produktionsstätten in anderen Ländern unter Umständen Gewässer und gefährdet die Gesundheit der lokalen Bevölkerung (weitere Informationen im Alternativen Waldschaden). Da die deutsche Papierindustrie keine verbindlichen Umwelt- und Sozialstandards bei der Rohstoffbeschaffung setzt, lagert sie wesentliche ökologische und soziale Kosten in die Lieferländer aus und ignoriert die Mitverantwortung für die gravierenden Probleme, die durch die Zellstoffgewinnung und -produktion dort verursacht werden.

Aus Sicht von Umwelt- und Verbraucherorganisationen sollten deshalb vor allem die Importe von Zellstoff und Papier nach Deutschland kritisch beleuchtet werden. In Deutschland selbst sind die ökologischen und sozialen Standards für die Papier- und Zellstoffproduktion sowie für die Waldbewirtschaftung im weltweiten Vergleich hoch. Doch 57 Prozent des verbrauchten Papiers, Karton Pappe und über 80 Prozent des Zellstoffs für die deutsche Papierindustrie stammen aus dem Ausland, ein zunehmender Anteil aus Plantagen in Entwicklungs- und Schwellenländern. In den südlichen Ländern werden oft massive Probleme durch den Anbau und die Produktion von Zellstoff verursacht. Umweltzerstörung, Verletzung der Arbeiter- und Landrechte sind an der Tagesordnung.

Auch zu anderen globalen Umweltproblemen leistet die Papier- und Zellstoffindustrie ihren „Beitrag“. Sie gehört zu den energieintensivsten Branchen überhaupt. Weltweit ist die Papier- und Zellstoffindustrie der fünftgrößte industrielle Energieverbraucher. Für die Herstellung einer Tonne Papier wird vergleichbar viel Energie verbraucht wie für die Produktion einer Tonne Stahl oder Eisen. Die Papier- und Zellstoffindustrie ist weiterhin für die Abholzung von Naturwäldern verantwortlich, die als wichtige Kohlenstoffspeicher verloren gehen.


Weitere Informationen zum Thema Papier und Umwelt finden sich im Alternativen Waldschadensbericht und update.

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Diese Seite wurde gefördert durch das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein Westfalen.