Gesundheitliche Schäden durch Zellstoffproduktion

In der UN Menschenrechtserklärung (Artikel 25) von 1948 ist festgelegt: „Everyone has the right to a standard of living adequate for the health and well-being of himself and of his family“. Das Recht auf ein gesundes Leben wird von einigen Papier- und Zellstoffkonzernen auf eklatante Weise verletzt. Obwohl es in Deutschland hohe Umweltstandards für die Produktion von Papier- und Zellstoff gibt, werden diese Standards in den Ländern, aus denen Deutschland Zellstoff importiert, häufig nicht eingehalten. Die Abwässer der Fabriken werden teilweise ungeklärt in die Flüsse entlassen – mit oft katastrophalen Folgen für die Bevölkerung:

In indonesischen Dörfern, die flussabwärts von der Zellstofffabrik Indah Kiat des Konzerns Asia Pulp and Paper (APP) liegen, berichten die Menschen von juckenden Hautausschlägen, chronischen Kopfschmerzen und Erbrechen. Vor Bau der Zellstofffabrik nutzten sie den Fluss für Trinkwasser. Heute müssen sie ihr Wasser in Flaschen kaufen, da auch das Grundwasser bereits verschmutzt ist. Doch nutzen sie noch immer den Fluss zum Waschen, zum Bewässern und Fischen. Im Jahr 2000 besuchte die Journalistin Inge Altemeier die Region und filmte einen illegalen Abfluss, den die Zellstofffabrik in der Nacht nutzt. Obwohl APP schon seit Jahren Besserung gelobt, leiden die am Fluss lebenden Menschen bis heute unter den Folgen der Papier- und Zellstoffherstellung. Kanadische Zellstoffwerke entließen 1997 pro Tag zwischen 50.000 und 100.000 Kubikmeter Abwässer. Nach Industrieangaben flossen fast 2.000 Tonnen Chemikalien – mehr als doppelt soviel wie bei der Bergbauindustrie – in die Gewässer.

Auch die Luftverschmutzung durch Zellstofffabriken ist in einigen Fällen für gesundheitliche Probleme verantwortlich. In Brasilien rufen beispielsweise die Emissionen der Zellstofffabrik Aracruz Atemwegserkrankungen bei den nahe wohnenden Indianern hervor, wie vom brasilianischen Indigenen- und Missionsrat bestätigt wurde.

„Diese Zellstofffabrik hat viele Krankheiten in unsere Dörfer gebracht.“
Jonas Carvalho (Guarani-Indigenenhäuptling in Brasilien)

Nicht nur die Zellstoff- und Papierfabriken verursachen gesundheitliche Schäden. Beim Einsatz von Chemikalien in den Zellstoffplantagen von Aracruz leiden Arbeiter häufig an Kopfschmerzen, Erbrechen und Magenschmerzen, wie in der Studie vom World Rainforest Movement dokumentiert wurde. Die ebenfalls häufig bei den Plantagenarbeitern auftretende Erkrankung Leucopenia (abnormale Reduktion von weißen Blutkörperchen) hat bereits zu Todesfällen geführt.

Die Plantagenwirtschaft hat neben den direkten auch viele indirekte Folgen. In Südafrika tragen die vielerorts fehlenden Sanitäranlagen für die Arbeiter in den Plantagen vermutlich zur Ausbreitung von Krankheiten wie Cholera bei. Auch die Ausbreitung von Aids ist unter den Arbeiter in Südafrika ein großes Problem: „The seriousness of the HIV/Aid’s pandemic is now beginning to take its toll on Industry, with infection rates amongst workers exceeding 40% in places.“ Die Ursache für die starke Ausbreitung liegt in der Situation auf den Plantagen: Viele der Arbeiter sind ohne eigene Familie dort. Sexuelle Übergriffe und Prostitution grassieren in ihren Siedlungen.

Quelle: Alternativen Waldschadensbericht 2006


Weitere Informationen zum Thema Papier und Umwelt finden sich im Alternativen Waldschadensbericht und update.

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