Mythos Arbeitsplatz

„Aracruz* bietet den Leuten von hier keine Arbeit mehr an. Alles wird maschinell hergestellt – man braucht gar keine Arbeiter mehr. Auch der Holzeinschlag wird heute von Subunternehmern, häufig von multinationalen Unternehmen mit neuester Technik gemacht – auch da gibt es keine Arbeit mehr für uns. So werden sie Brasilien zugrunde richten.“
Humberto (Quilombola** in Brasilien)

*Der brasilianische Zellstoffkonzern ARACRUZ Celulose (heute FIBRA) ist einer der größten Eukalyptuszellstoffproduzenten weltweit.
**Quilombola Abkömmlinge entflohener afrikanischer Sklaven in Brasilien

Papier- und Zellstoffkonzerne werben oft mit dem Argument, Arbeitsplätze zu schaffen. Wenn ein Konzern eine Plantage oder Zellstofffabrik errichtet, werden ohne Frage neue Arbeitsplätze geschaffen. Die wesentliche Frage ist jedoch, wieviele Arbeitsplätze vor Niederlassung der Konzerne vorhanden waren, wieviele Arbeitsplätze durch andere Landnutzungsformen geschaffen werden könnten und welche Qualität die angebotenen Arbeitsplätze (Lohn, Vertragssicherheit, Arbeitsrisiko) haben.

Die Zellstoffplantagen im Süden bieten grundsätzlich nur wenige Arbeitsplätze pro Hektar Land. In einer Studie des World Rainforest Movement aus Brasilien wird anhand des Beispiels Aracruz die Arbeitsplatzsituation durch die Eukalyptus-Zellstoffproduktion analysiert. Es zeigt sich, dass beim Anbau von Kaffee mehr als hundert Mal so viele Arbeitsplätze pro Hektar Land geschaffen werden wie durch den Eukalyptusabau.

Zahlen von 2001 aus Uruguay und Südafrika zeigen die gleiche Tendenz

  • Dem Zellstoffkonzern Weyerhäuser gehören in Uruguay 128.000 Hektar Land, 71.000 davon sind Plantagen. Nach eigenen Angaben sind 130 Menschen direkt beschäftigt. Weyerhäuser bietet damit in Uruguay 0,18 Jobs pro 100 Hektar Plantagen.
  • Der Firma Mondi in Südafrika gehören 638.000 Hektar Land, davon 407.000 Hektar Plantagen. Mondi beschäftigt nach eigenen Angaben 4.500 Menschen. Der Konzern bietet damit 1,1 Arbeitsplätze pro 100 Hektar Plantagenfläche.

Auch in Spanien werden nur wenige Arbeitsplätze durch die Zellstoffplantagen geschaffen: In der Milchwirtschaft in Spanien sind 2,5-mal so viele Arbeiter pro Fläche beschäftigt als beim Anbau von Eukalyptus, im Weinbau 5-mal soviel.

Die Studie des World Rainforest Movement beschreibt die schlechten Arbeitsbedingungen (Unterkunft, Verpflegung und soziale Sicherheit) bei Aracruz und verdeutlicht, wie gering die Zahl der Arbeitsplätze und wie niedrig der Lohn ausfällt, wenn man Zellstoffplantagen mit anderen Landnutzungsformen (z.B. Kaffeeanbau) vergleicht.

Die Kleinbauernvereinigung in Brasilien fordert Landnutzungsmodelle für ihre Region, die auf eine vielfältige ökologische Landwirtschaft setzen und Kaffeeanbau als Ergänzung fördern. Es würden nicht nur mehr Arbeitsplätze pro Hektar entstehen als durch die Zellstoffplantagen, auch die Arbeitsbedingungen wären wesentlich besser und das Lohnniveau höher.

Quelle: Alternativen Waldschadensbericht 2006


Weitere Informationen zum Thema Papier und Umwelt finden sich im Alternativen Waldschadensbericht und update.

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