Zellstoff und Papier kommt zunehmend aus dem Süden

Während Nordamerika und Westeuropa noch immer die Zellstoffindustrie weltweit dominieren, findet das stärkste Wachstum vor allem in Südostasien und Lateinamerika statt. Die Preisdifferenz zwischen den Regionen ist signifikant: Zum Beispiel kostet die Produktion von einer Tonne Zellstoff in Indonesien etwa 50 Prozent  weniger als in Finnland. Niedrige Umwelt- und Sozialauflagen, die zur Ausbeutung von Menschen und Natur führen, verbunden mit einer schnellen Wachstumsrate der Bäume sind die Gründe für diesen gewaltigen Unterschied.

Waren bis vor wenigen Jahren die Staaten mit dem höchsten Papierverbrauch auch die Haupt-Produktionsstaaten von Zellstoff (Finnland, Schweden und Kanada), so wird dieser heute mehr und mehr in den Ländern des Südens erzeugt. Aktuell im Blickfeld der Forstwirtschaft ist dabei besonders Lateinamerika. 2010 kamen bereits 25 Prozent des weltweit nachgefragten Rohstoffes von dort (2005 waren es erst neun Prozent). Und die Hauptrolle dabei spielt Brasilien, das 2004 noch auf Platz 5 unserer Zellstoffimportländer stand und im Jahr 2009 bereits auf Platz 1 vorgerückt war. Mit über 850.000 Tonnen wurde Brasilien damit für Deutschland der bedeutendste Zellstofflieferant.

Die günstigen klimatischen Bedingungen in Lateinamerika, die dafür sorgen, dass Eukalyptus-Bäume in nur acht Jahren mit 20 Meter Höhe schlagreif sind (in Skandinavien braucht eine Kiefer dafür ca. 80 Jahre), sind für die Zellstoffunternehmen ein Anreiz, in den dünn besiedelten Regionen Südamerikas ganze Landstriche aufzukaufen. Weiter locken in vielen Ländern Lateinamerikas nahezu unerschöpfliche Wasserreservoirs und äußerst investorenfreundliche ökonomische Rahmenbedingungen. So werden Freihandelszonen eingerichtet, Subventionen für die Forstwirtschaftsmonokulturen gezahlt, und Weltbank und Co. gewähren milliardenschwere Darlehen. Die Folge dieses Booms: Ganze Ökosysteme werden für die Herstellung von Zellulose- Frischfasern zerstört, denn um die Werke mit Holz zu versorgen, werden die Eukalyptusmonokulturen immer weiter ausgedehnt, wie z.B. in den brasilianischen Bundesstaaten Rio Grande do Sul, Bahia und Espirito Santo. Dabei werden oft Hand in Hand mit Großgrundbesitzern und willfährigen Behörden die Landrechte der indigenen Bevölkerung oder von Kleinbauern missachtet. Die Zellstoff-Monokulturen dehnen sich auch mehr und mehr auf fruchtbaren Böden aus. Auf diesen Flächen könnten Nahrungsmittel für Hunderttausende von Menschen angebaut werden.


download ARA Magazin 11/2009 (S. 13 – 15)

 


Diese Seite wurde gefördert durch das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein Westfalen.