Ökobilanz pro Recyclingpapier

Umweltvorteile für Recyclingpapier im Vergleich

 

Ökobilanz(Quelle: Umweltbundesamt)

Bereits im Jahr 2000 hat das Umweltbundesamt eine Ökobilanz-Studie zu graphische Papieren herausgegeben, die deutlich machte, dass es wesentlich umweltfreundlicher ist, Papier aus Altpapier herzustellen. Diese Studie wurde in 2006 und 2008 von einem der durchführende Institute (ifeu) aktualisiert.

Diese Studien kommen zu dem Ergebnis, dass in Nordeuropa hergestelltes Papier einen geringeren Triebhauseffekt aufweist als Recyclingpapier, wenn die bei der Herstellung an­fallenden Holzreste zur Energieerzeugung genutzt werden. Papier, dass in Südeuropa hergestellt wird oder dessen Zellstoff aus Südamerika kommt, hat hingegen eine schlechtere Treibhausbilanz.

 

Das Umweltbundesamt hat zu den Ergebnissen eine Bewertung erarbeitet:[1]

Als ökologische Pluspunkte von Sekundärfasern gegenüber Primärfaserpapier bleiben bestehen:

  1. Der Prozesswasserbedarf der Papierherstellung aus Altpapier ist zwei- bis sechsmal niedriger als der für die Papierherstellung aus Holz.
  2. Das Abfallaufkommen wird vermindert.
  3. Der Gesamtenergiebedarf ist drei bis viermal niedriger, als der für die Papierherstellung aus Holz.
  4. Die Art des Energieeinsatzes für die Produktion von Recyclingpapier ist noch optimierbar (vollständigen Einsatz klimaneutraler erneuerbarer Energieträger).
  5. Die Ressource Holz wird geschont und steht für andere Nutzungen zur Verfügung. Die Flächenkonkurrenz wird vermindert.
  6. Die Entlastung der globalen Waldressource bedeutet (zum Teil indirekten) Schutz von Primärwäldern, Erhalt der Biodiversität und des Lebensraums der lokalen Bevölkerung.
  7. Sekundärfaserverwendung bedeutet „Papier der kurzen Wege“, und damit geringere Energieeinsätze für den Transport.

 

Kritisch bzw. bislang nicht ausreichend berücksichtigt in den Studien sind folgende Punkte:

Primärfaserpapier erreicht in bestimmten Fällen CO2 Werte, die teilweise bei oder sogar unter denen von Recyclingpapier liegen. Die angesprochenen Fälle, in denen Frischfaserpapiere niedrigere CO2-Werte als Recyclingpapiere erreichen, betreffen 20 Prozent des deutschen Kopierpapiermarktes. Diese Papiere stammen aus den integrierten Papier- und Zellstoffwerken Skandinaviens. Bei der Einordnung und Bewertung der günstigen CO2-Bilanz sind jedoch folgende Aspekte zu bedenken:

  • Für die Papier- und Zellstoffindustrie wird von Jahr zu Jahr mehr Frischholz benötigt. Auch wenn dieses Holz nachhaltig erwirtschaftet wird, steht die Fläche, auf der es wächst, anderen Nutzungen (Landwirtschaft) nicht mehr zur Verfügung. Auf diesen Flächen könnten bei verstärkter Nutzung von Recyclingpapier alternativ z.B. Energiepflanzen zur Erzeugung biogener Kraftstoffe angebaut werden.
  • Darüber hinaus ist der Verlust von Naturwald eines der größten ökologischen Probleme auf der Erde und bewirkt massive Beeinträchtigungen des globalen Klimahaushalts. Dieser Faktor sollte in die Bewertung der Ressourcen- und Klimarelevanz der Papierindustrie mit einfließen, da bereits die Hälfte des industriell eingeschlagenen Holzes in der Papier- und Zellstoffherstellung verarbeitet werden. Dieser Effekt ist aber derzeit auf der Produktebene nur schwer quantifizierbar.
  • In den nächsten Jahren wird erwartet, dass sich die Faserrohstoffquellen von den skandinavischen Ländern mehr und mehr in die äquatorialen Gebiete verlagern, da dort erheblich höhere Zuwachsraten erzielt werden können.
  • Für die Papier- und Zellstoffherstellung wird bisher in den meisten Fällen Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern verarbeitet. Jedoch steht dieses Holz für andere Nutzungen nicht mehr zur Verfügung. Für diese Nutzungen (Brennstoff, Baumaterial) wird dann eventuell auch vermehrt Holz nicht legaler Herkunft eingesetzt.

 

Schlussfolgerungen des UBA

Die Bewertung der Ressource Holz in Zusammenhang mit der Klimarelevanz, aber auch der Nutzungskonkurrenzen für den nachwachsenden Rohstoff Holz sind bisher nicht abgeschlossen.

 


[1] UBA: Argumentationspapier zu Umweltaspekten von Recyclingpapier im Rahmen der Aktion 30 Jahre Blauer Engel, 2008;

 

 


Diese Seite wurde gefördert durch das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein Westfalen.