Naturwaldverlust durch Zellstoffplantagen

In den Ländern des Südens steht neben dem Holzeinschlag eine weitere Bedrohung der Wälder im Vordergrund: Um die Zellstoffproduktion zu beschleunigen und die Kosten zu drücken, werden Naturwälder durch Monokulturen aus schnellwachsenden Baumarten ersetzt.

Sowohl in Indonesien als auch in den USA, in Chile, in Australien und in Brasilien wurden Naturwälder großflächig zerstört, um Plantagen anzulegen. Die FAO schätzt, dass in den Tropen pro Jahr eine Naturwaldfläche in der Größe halb Finnlands umgewandelt wird und dass etwa 6-7 Prozent der neuen Nutzung Baumplantagen sind.

  • Indonesien: 
In Indonesien, einem der artenreichsten Länder der Erde, werden kontinuierlich Naturwälder in Zellstoff-Monokulturen umgewandelt. Ende 2001 gab es 1,4 Millionen Hektar industrielle Zellstoffplantagen, von denen rund die Hälfte auf ehemaligen Naturwaldflächen entstanden sind. Heute werden jährlich 2,8 Millionen Hektar Wald in Indonesien zerstört, eine Fläche größer als Hessen.Seit 1988 ist die Zellstoffindustrie in Indonesien um fast 700 Prozent gewachsen, von 606.000 Tonnen auf 4,9 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Papierproduktion stieg im gleichen Zeitraum von 1,2 auf 8,3 Millionen Tonnen pro Jahr an. Nach der Zerstörung der Naturwälder werden die gigantischen indonesischen Zellstoffwerke in den nächsten Jahren mit Holzdefiziten zu kämpfen haben, was wiederum die Anlage von Plantagen vorantreiben wird.
  • Chile:
Die treibende Kraft für den Verlust von Naturwäldern in Chile ist ihre Umwandlung in Plantagen mit exotischen Baumarten, die für die Zellstoffherstellung genutzt werden. In dem Zeitraum zwischen 1978-1987 wurden 31 Prozent der Naturwälder in der Küstenregion in Plantagen umgewandelt. Die Zentralbank Chile schätzt, dass Chiles Naturwälder bei gleich bleibender Zerstörung durch Holzeinschlag 2015 oder 2020 verschwunden sein werden. In Chile gibt es eine Vielfalt an Waldtypen: Palmwälder, Hartlaub-Wälder, temperate Regenwälder und prähistorische Araucaria-Wälder. Ein Drittel der Wälder Chiles ist noch Urwald. Nur 27 Prozent dieser Urwälder sind geschützt.
  • Brasilien: 
Im brasilianischen Bundesstaat Espirito Santo sind durch Zellstoffkonzerne wie Aracruz (heute FIBRA) Tausende Hektar Atlantischen Regenwaldes gerodet und durch Eukalyptusplantagen ersetzt worden. Ursprünglich bedeckte die „Mata Atlântica“ (der Atlantische Regenwald) weite Teile des Bundesstaates Espírito Santo. Heute sind nur noch 10 Millionen Hektar, d.h. 7,5 Prozent des ursprünglichen Atlantischen Regenwald-Bestandes erhalten. Stattdessen gibt es hier nun doppelt soviele Plantagen wie Naturwälder. Die Zellstoff und Papierindustrie war maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt.
  • Südafrika: Von den 1.100 einheimischen Baumarten (vgl. Europa:100) in Südafrika sind viele endemisch (das bedeutet: Baumarten, die nur in einer bestimmten, räumlich klar abgegrenzten Umgebung vorkommen)  und kommen nur noch in kleinen Waldgebieten vor. Die Plantagen grenzen ohne Pufferzonen direkt an den Waldrand. So werden die heimischen Bäume durch die Konkurrenz um Wasser mit dem tiefer wurzelnden Eukalyptus beeinträchtigt. Auch bei der Bewirtschaftung der Plantagen wird der Naturwald in Mitleidenschaft gezogen: Die Zufahrtstraßen für die Plantagen werden oft durch die angrenzenden Wälder gebaut.

Verlust wertvoller Ökosysteme durch Zellstoffplantagen
Plantagen ersetzen nicht nur Naturwald, sondern auch andere artenreiche Ökosysteme. In Südafrika muss vielerorts die Savanne, die mit ihren über 4.000 Pflanzenarten extrem artenreich ist (Vergleich Schweden mit 1.700 Pflanzenarten), neuen Plantagen weichen. Professor Braam van Wyk von der Universität in Pretoria, Südafrika, warnt, dass Plantagen Südafrikas Savanne zerstören und ein Hauptfaktor für den Artenverlust sind. In den letzten Jahren seien im Durchschnitt pro Jahr über 200 km2 artenreiche Savanne in Südafrikas Regionen mit höherem Niederschlag durch die kommerzielle Aufforstung (Plantagen) zerstört
worden.

Die exotischen Bäume (Kiefer, Eukalyptus, Akazie) bleiben nicht auf die Plantagenflächen beschränkt, sondern dringen vor allem entlang von Gewässern und Feuchtgebieten unaufhaltsam in die Savanne Südafrikas vor, wo sie endemische Arten verdrängen. Nach Schätzungen sind zusätzlich zu den 1,5 Millionen Hektar Plantagen bereits 1,7 Millionen Hektar des Landes durch die exotischen Bäume besiedelt.

Monokulturen führen zu Artenverlust
Monokulturen mit ein oder zwei exotischen Baumarten bieten kaum Lebensraum für die heimischen Tier- und Pflanzenarten. Die natürliche Vegetation stirbt durch den Einsatz von Chemikalien, damit die Plantagenbäume keine Konkurrenz um Wasser, Licht und Nährstoffe erleiden. Nur wenige standorttypische Pflanzen können unter den Plantagenbäumen überleben, Tiere finden hier kaum Nahrung. Die exotischen Plantagen stellen Barrieren für heimische Tiere dar und behindern so die natürliche Ausbreitung von Säugetieren und Insekten sowie das Brutverhalten von Vögeln.

Quelle: Alternativen Waldschadensbericht, 2006


Weitere Informationen zum Thema Papier und Umwelt finden sich im Alternativen Waldschadensbericht und update.

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