Raubbau und Kahlschlag für Papier muss beendet werden

Umweltverbände stellen globale Vision für eine verantwortungsvolle Papierwirtschaft vor

Über 120 Umweltorganisation aus der ganzen Welt stellten heute ihre gemeinsame Vision für eine ökologische und sozial gerechte Papierwirtschaft vor. In dem Dokument „Global Paper Vision“ rufen sie zu einer drastischen Reduzierung des Papierkonsums in den Industrieländern auf. Außerdem fordern sie einen verstärkten Einsatz von Recyclingpapier und eine verantwortungsvolle Veränderung und mehr Transparenz bei Rohstoffbeschaffung, Produktion und Handel seitens der Papierindustrie.

Die weltweiten Folgen der Papierproduktion sind fatal: Jeder zweite kommerziell geerntete Baum landet in den Zellstoffmühlen der Papierindustrie, darunter auch immer wieder nachweislich Urwaldholz, obwohl Papierkonzerne dies meistens dementieren. Darüber hinaus haben die sich immer weiter ausdehnenden industriellen Baumplantagen, die Rohstoffe für die Zellstoffindustrie produzieren, vielen hunderttausend Menschen ihren Lebensraum gekostet. Das muss sich aus Sicht der Umweltverbände endlich ändern. Mit Lippenbekenntnissen wollen sich die Verbände in Zukunft nicht mehr abspeisen lassen.

„Die Papierindustrie operiert global, umso wichtiger ist es, dass wir kritischen Organisationen auch weltweit vernetzt sind. Wir brauchen ein starkes Bündnis, und die Global Paper Vision ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung“, sagt Monika Nolle vom ARA e.V., Mitglied im Bundesnetzwerk Papierwende und im Leitungskomitee des European Environmental Paper Network (EEPN).

Woro Supartinah von der Umweltorganisation Jikalahari in der indonesichen Provinz Riau – der Region mit der weltweit höchsten Entwaldungsrate in den letzten 20 Jahren – setzt große Hoffnungen in das globale Netzwerk und beschreibt beispielhaft, was der weltweite Hunger nach Zellstoff und Papier und die dafür angelegten gigantischen Holzplantagen für Wälder und Menschen in Indonesien bedeutet: „Die Ausdehnung der Zellstoff- und Papierindustrie ist hier im Zusammenhang mit der Waldvernichtung verantwortlich für die Zerstörung von Lebensgrundlagen der lokalen und vom Wald abhängigen Bevölkerung, für erhebliche soziale Konflikte, den Verlust von Biodiversität, Verstöße gegen Gesetze, Korruption und moderne Sklaverei“.

Die unterzeichnenden Verbände sind allesamt bekannt für ihre bisherige engagierte Arbeit für einen umwelt- und sozialverträglichen Papierkonsum. Mit ihrer neuen Global Paper Vision vereinheitlichen sie die national und international verschiedenen Forderungen und Statements für eine Reform des Papiersektors und stellen diese auf eine gemeinsame, breitere Basis.

In Zukunft werden die unterzeichnenden Verbände verstärkt zusammen arbeiten und den Dialog zwischen Nichtregierungsorganisationen, Industrie, Handel, Investoren und anderen Institutionen kollektiv vorantreiben, um den Zielen ihrer gemeinsamen Vision für eine globale Papierwende Schritt für Schritt näher zu kommen.

Das Dokument Global Paper Vision ist bisher in Englische Version, Chinesisch, Portugiesisch und Russisch verfügbar, wird aber noch in weitere Sprachen übersetzt.

Die Global Paper Vision, alle UnterzeichnerInnen und der Aufruf, dem Netzwerk beizutreten oder dessen Arbeit zu unterstützen und weitere Infos unter:

http://www.environmentalpaper.eu/our-common-vision/
http://environmentalpaper.org/vision/

 

Für Rückfragen:

Monika Nolle, ARA e.V., Mitglied im Bundesnetzwerk Papierwende und EEPN-Vorstand: +49 (0)175 – 35 172 39

Peter Gerhardt, denkhausbremen e.V. und EEPN-Vorstand: +49 (0)163 – 755 83 66


Diese Seite wurde gefördert durch das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein Westfalen.